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Vereinschronik

von Konrad Baumann

Anmerkung:

Diese Chronik wurde nach alten Unterlagen erstellt, die überwiegend von Karl Resmann der Feuerwehr nach 1970 gebracht wurden. Ein Jahr zuvor hatte Schriftführer Konrad Baumann eine Chronik nach Befragung von Einwohnern für den Mangfall-Gau geschrieben. Manches stellt sich heute mit den Unterlagen anders dar.
Nach der deutschen Reichsgründung 1871 herrschte im ganzen Land Aufbruchsstimmung. Man hatte wieder ein einig Vaterland, wenn auch unter Federführung Preußens. Vielerorts kam es zu Vereinsgründungen z. B. der Schützen und Veteranen. Auch der schon bestehende Feuerschutz wurde durch einen Erlaß der Bayerischen Regierung straffer organisiert. Es sollten Organisationen zur Selbsthilfe gegründet werden. Viele freiwillige Feuerwehren wurden in unserer Gegend zu dieser Zeit aus der Taufe gehoben.

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Au:

In Au bei Aibling traten am 3. Mai 1874 57 Männer in die Freiwillige Feuerwehr ein. 1. Vorstand wurde Bürgermeister und Mühlbesitzer Josef Schlemer, 1. Kommandant der Wehr Zimmermeister Josef Gasteiger, Schriftführer der Lehrer Georg Strauß. Der Kaufmann Matthias Andrelang führte die Kasse. Im Gründungsjahr vermerkte er im Kassabuch (es wurde bis 1940 geführt) 183,48 Gulden (fl) Einnahmen und 225,24 Gulden Ausgaben. Interessant ist der Vermerk darunter: in Reichswährung 315 Mark, 09 Pfennig beziehungsweise 386 Mark, 41 Pfennig. Ab 1876 erfolgen die Einträge nur noch in Mark.

Weitere Gründungsmitglieder waren:

Spritzenmeister der Uhrmacher Michael Empacher, der im gleichen Jahr verstarb; Sebastian Niggl, Metzger; Josef Reindl, Schneider; Florian Achatzwieser, Handelsmann; Erhardt Enzensberger, Sattler; Johann Grundner, Oekonom; Balthasar Hofer, Oekonom; Georg Hackl, Schreiner; Georg Impler, Oekonom; Johann Hofmann, Seiler; Johann Schlemer, Oekonom; Balthasar Schlemer, Oekonom; Johann Zehetmayer, Oekonom; Josef Zehetmayer, Zimmergeselle; Josef Huber, Meßner; Alois Eder, Zimmergeselle; Simon Eder, Zimmergeselle; Kaspar Hofer, Oekonom; Josef Moßer, Zimmergeselle; Jakob Oberhauser, Schuhmacher; Andreas Oppenrieder, Oekonom; Martin Mayer, Oekonom; Martin Stadler, Oekonom; Kaspar Stadler, Oekonom; Martin Steingraber, Oekonom; Abl Stöckler, Zimmergeselle; Martin Stiegloher, Zimmergeselle; Joseph Stadler, Oekonom; Josef Bucher, Schreiner; Georg Bauer, Oekonom; Josef Bauer, Oekonom; Anton Daxenbichler, Schreiner; Mathias Buchner, Wirth; Peter Gröbmaier, Oekonom; Beno Eisenreich, Zeichner; Korbinian Hacklinger, Zimmergeselle; Lorenz Maier, Müller; Kaspar Oppenrieder, Oekonom; Alois Reiter, Zimmergeselle; Kaspar Rieder, Schuhmacher; Josef Rieder, Taglöhner; Martin Sonnenstatter, Zimmergeselle; Ludwig Schnitzenbaumer, Schäffler; Georg Schweiger, Maurer; Balthasar Spann, Oekonom; Balthasar Stadler, Schreiner; Josef Wimmer, Schreiner; Kaspar Unterberger, Schmid; Johann Zehetmayer, Weber; Sebastian Schmid, Bäckergsell; Josef Bauer, Oekonom; Josef Moßer, Oekonom. Als letzter ist der Gemeindediener Adam Müllegger aufgeführt.
Er scheidet im Juni 1898 auch als letzter der Gründungsmitglieder aus dem Dienst aus. Als Begründung für sein Ausscheiden ist in der Stammbuchliste eingetragen: Distriktswegmacher. Im Jahre 1879 trat die gesamte Freiwillige Feuerwehr dem Landesverband bei. Die Eintragungen in diesem Stammbuch enden im April 1933, also mit Beginn der Nazizeit.

Löschwesen vor der Gründung:

Natürlich war auch vor der Gründung der Feuerwehrvereine das Löschwesen von den Gemeinden schon organisiert. Nur so ist es zu verstehen, daß am 24. November 1862 ein "Kostenanschlag zum Feuerhause zu Au" angefertigt wurde. Unterzeichnet ist das Schriftstück von Josef Gasteiger, der 12 Jahre später dann der erste Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr wurde. In einem Vorbericht zum Kostenanschlag heißt es: "Dieses Gebäude wird zur Unterbringung von den vorhandenen Feuerspritzen und Requisiten erbaut und zu diesem Zwecke an einem freien Platze mitten im Dorfe, an der Dorfstraße (heute Aubachstraße), errichtet. Die Richtung des Gebäudes ist von Norden nach Süden, es wird 20 Fuß lang und 12 Fuß breit und bis unter die Balken 9,7 Fuß hoch. Die Kostendeckung und die Hand- und Spanndienste hat die Gemeinde Au vollständig zu leisten und es wird für erstere das Geld durch Umlagen erhoben". Dieses Feuerwehrhaus wurde dann 1863 errichtet und leistete gut 100 Jahre seine Dienste. Vom 28. Januar 1864 liegt eine Kostenabrechnung vor. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 508 Gulden, 51 Kreuzer. Davon mußten 426 Gulden "in baarem Gelde" bezahlt werden. Ein Jahr nach der Erbauung wurde auf dem gleichen Grundstück das landwirtschaftliche Anwesen "zum Zimmermeister" errichtet.

Im selben Jahr, in dem das Feuerwehrhaus entstand, wurde auch die erste Feuerspritze angeschafft. Dazu sind in einem "Privat Cassa Buch für Landgemeinde Au" folgende Einträge zu finden:

10. August 1863 Dringgeld bei Brobung der Löschmaschine in Rosenheim 5 Gulden, 24 Kreuzer

Zehrung für 5 Mann bei Abholung der Löschmaschine in Rosenheim 6 Gulden, 36 Kreuzer

21. August 1863 An die Gemeinde Cassa zur Löschmaschine bar bezahlt 10 Gulden, 30 Kreuzer.

Diese zweite Spritze, die 620 fl kostete (eine kleine Handspritze war schon 1839 um 80 fl gekauft worden), war eine Druckpumpe und befand sich auf einem Zweiradwagen. Dieser wurde von Feuerwehrleuten zum Brandobjekt gezogen. Dort wurde die Spritze auf den Boden gestellt. Wenn Wasser in der Nähe war, saugte die Pumpe selbst an. Sonst wurde eine Eimerkette gebildet und das Wasser in eine kupferne Wanne geschüttet, in der die Pumpe stand. Mit insgesamt 150 Fuß (etwa 50 m) gesamte Schlauchlänge, die im Querschnitt kleiner als ein heutiger C-Schlauch waren, konnte dann gespritzt werden. Im Jahre 1944 mußte diese in Messing-Rotguß und Kupfer gefertigte Wanne als Kriegsmaterial abgeliefert werden.

Von der Gründung bis zum Ersten Weltkrieg:

9 Jahre nach der Gründung wurde eine neue Feuerspritze angeschafft. Es war eine Saugpumpe, ein sogenanntes Hydrophor. Damit entfielen teilweise die Eimerketten, zu denen viele Menschen benötigt wurden. Die Saugpumpe ist noch im Besitz der Feuerwehr. Das moderne Gerät wurde bei der Firma Justus Christian Braun in Nürnberg gekauft.
Die Leistung: 320 ltr./min, 2,5 bar Druck.
Neu war, daß die Pumpe für Pferdegespanne gebaut war. Somit gab es in Au ab 1883 Spritzenfahrer. Eine Tafel am Trogerhaus, heute Werkstätte eines Steinmetzbetriebes, wies auf dieses wichtige Amt hin. Doch man darf mit Sicherheit annehmen, daß sich niemand um dieses Amt "gerissen" hat, denn noch in unserer Zeit wird erzählt, daß bei Einsätzen die Pferde so gejagt wurden, daß sie nachher krank waren (sie hatten einen "Dampf"). Trotz der Neuanschaffung einer leistungsfähigen Pumpe wurden sechs Jahre später 12 Feuerwehreimer zu je 2,20 Mark gekauft. Außerdem wurden 6 Steigergurte mit Beil und ein großer Carabinerhaken angeschafft.

Am 6. Oktober 1889 wird beim Kasthuber am Dorfplatz eine Großübung der Feuerwehren Au, Dettendorf, Feilnbach und Litzldorf (identisch mit den heutigen Gemeindewehren) abgehalten, verbunden mit einer Inspektion dieser Wehren. Der noch vorhandene Einsatzplan von Kommandant Josef Gasteiger zeigt, daß auch schon Hydranten vorhanden waren. Der Hydrant Nr. 5 auf dem Dorfplatz wurde eingesetzt. Die Wasserleitung dazu wurde im Jahre 1884 erbaut. Sie führte von Karrenhub über Brodhub ins Dorf und hatte dort drei Zweige, einen davon zum Bergwerk.
Auffallend sind die sehr hohen Mitgliedszahlen. So berichtet der Lehrer und Schriftführer Emanuel Baumann im Jahre 1892 von einem Mannschaftsstand von 80 Mann. Hinzu kamen 25 verpflichtete Bergarbeiter aus dem damals noch bestehenden Bergwerk Au. Eine interessante Anschaffung wurde im Jahre 1893 getätigt: Von Magirus in Ulm werden zwei Helme für Commandant und Adjutant (Kommandantenstellvertreter) samt Roßhaarbüsche und 1 Huppe aus Messing mit Tragschnur zum Preis von 33,90 Mark gekauft. Im gleichen Jahr erhalten die Spritzenfahrer Josef Gasteiger und Peter Gröbmeir für eine Fahrt nach Kreuzstraße zu einem Brande am 16. September je 6 Mark. Georg Millkreiter erhält für eine Fahrt der Feuerspritze bis Litzldorf 16 Mark. Die Haupteinnahme ist der jährliche Distriktszuschuß von etwa 36 Mark.
Ab 1889 war Josef Schlemer bis 1893 Kommandant, dann nur für einige Monate Josef Stuffer. Er gab wegen Krankheit das Amt wieder ab. Am 28. Januar 1894 übernimmt Michael Embacher diese Aufgabe, seit 1889 bereits Stellvertreter. Zu seinem Stellvertreter (Adjutant) wird Josef Stadler von Trogen gewählt. Sieben Jahre später, am 22. Juli 1901, brannten beim Adjutanten Haus und Hof nieder. Im Jahre 1907 übernimmt Josef Kolmberger, 1910 Ludwig Schnitzenbaumer das Kommandantenamt. Er führte es, bis er 1916 im Krieg fiel.

Erster Weltkrieg bis Zweiter Weltkrieg:

Der Uhrmachermeister Michael Embacher führt nach dem Tode von Ludwig Schnitzenbaumer die Wehr als Stellvertreter bis 1919. Vorstand in dieser schwierigen Zeit ist Bürgermeister Balthasar Schlemer. 1917 berichtet ein "Rapport" von 51 Mitgliedern und 67 Mann, die im Felde stehen (im Krieg sind). 10 Mann werden als Gefallene aufgeführt und ein Mann als vermißt.
Nach dem Krieg übernimmt im Jahre 1919 Martin Schwaiger, Schneekramer in Au, das Kommando über 85 Mann. 16 Gefallene werden verzeichnet! Im Jahre 1927 wurde eine Motor-Feuerspritze vorgeführt. Vom hinteren Breindlbach bis zum Koglerhof wurde das Wasser gepumpt. Auch damals waren die Verantwortlichen bestrebt, die Brandbekämpfung ständig zu verbessern.
Von 1890 bis etwa 1930 gab es in Au einen Fahnenträger. Der letzte Träger war wohl Josef Reindl. Er mußte bei Bränden mit dieser Fahne den Kommandanten begleiten. So wußte jeder, wo sich der Einsatzleiter befand. Am Ende der Stange befand sich eine Laterne, die nachts entzündet wurde. Diese Standarte ist noch im Feuerwehr-Schulungsraum vorhanden. 1932 rückte die Wehr zu einem Scheunenbrand beim Singer in Oberhofen aus.
Während der nationalsozialistischen Herrschaft unter Hitler ab 1933 wurden die Freiwilligen Feuerwehren aufgelöst. Es gab eine Feuerschutzpolizei, die dem Landratsamt unterstellt war. Bei der Wahl am 24. Januar 1934 waren nur 26 Mann anwesend (passiver Widerstand!). 1935 brannte es beim Grimm (zum Poschn) in Eulenthal. Durch Blitzschlag war das Feuer ausgebrochen. Bei der Versammlung am 22. März 1936 erläuterte Ortsgruppenleiter Strobl die neuen Bestimmungen für die Feuerwehr. Jakob Palmberger wurde Ende 1936 zum Wehrführer mit Dienstrang Obertruppführer ernannt. Damit endet die Kommandantentätigkeit von Martin Schwaiger.

Am 5. Juli 1938 erhält die Gemeinde Au ein Schreiben des Landratsamtes Bad Aibling und von Bezirksführer Drickl, daß trotz der mißlichen finanziellen Lage der Gemeinde das Feuerlöschwesen als vorerst wichtige Aufgabe betrachtet werden müsse. Die Antwort erfolgt am 8. März 1939 an den Landrat: "Selbstverständlich werde die Gemeinde Au, trotz schwerster finanzieller Notlage versuchen, sich eine Motorspritze anzuschaffen. Die örtlichen Verhältnisse machen dies aber reichlich unnötig. Die Gemeinde besitzt eine Hochdruckwasserleitung (seit 1910) mit 34 Hydranten, für das kleine Dorf mit 850 Einwohnern ist dies wirklich ausreichend".

Im Jahre 1943 beträgt die Mitgliedszahl 67. Am 23.11.1944 wird um Lieferung einer Kraftspritze "Metz" gebeten. Die Gemeinde war ohne ausreichendes Feuerlöschgerät nur auf die Hydranten angewiesen. Die Lieferung erfolgte Anfang 1945. Der Preis betrug 1525.- RM, die Handkarre dazu 700.- RM. Damit hatten die alten Handspritzen ausgedient. Am 18.01.45 werden 18 Frauen als Helfer gemeldet. Bei einer Inspektion am 31.01.1945 durch den Kreisfeuerwehrführer wird festgestellt: Geräte total veraltet, Ausrüstung der Wehrmänner ist ganz ungenügend. Wo ist der vergleichsweise hohe Ausrüstungsstand von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geblieben?

Kriege zerstören in wenigen Jahren, was fleißige Menschen in Jahrzehnten vorher geschaffen haben. Zwischen 1918 und 1939 waren nur 21 Jahre Frieden, in denen sich das Land nicht erholen konnte. Am Karsamstag 1945 wurde eine Scheune beim Spann (Moar) in Gottschalling ein Raub der Flammen. Evakuierte Kinder hatten gezündelt. In dieser Zeit erhielt das Feuerwehrhaus an der Aubachstraße einen Betonboden und eine feuerhemmende Decke.

Neubeginn nach dem Krieg:

Am 8. Mai 1945 war für Deutschland mit der bedingungslosen Kapitulation die Stunde Null. In Au wurde die Freiwillige Feuerwehr von Michael Embacher, einem Sohn des Kommandanten von 1894 bis 1910, kommissarisch geleitet. In den heißen und regenarmen Sommern 1946/47/48 kam es zu mehreren Brandfällen. Wiederholt brannte es in der Eulenauer Filze. Die TS/8 war dort Tage und Wochen im Einsatz. Nicht immer konnte aber gelöscht werden, denn die Benzinzuteilung durch die amerikanische Militärregierung war zu wenig. Von einem Tanz beim Beckenlehner am 16.04.48 rückte die Wehr zu einem Brand nach Blindenried aus. Das Feuerwehrgerät wurde auf einen Lagerhaus-Lkw geladen.

Geprägt wurde die Feuerwehr Au bis heute von drei sehr tüchtigen und weit vorausblickenden Kommandanten. Vorstand war wie seit der Gründerzeit üblich der Bürgermeister: Kastulus Bergmaier.

Die Aera Kaspar Kaffl:

Im Jahre 1950 übernahm der junge Kaspar Kaffl die Leitung. Für Au war dies ein Glücksfall. Trotz eigener Existenzgründung stellte er sich voll der neuen Aufgabe. Schon vor seiner Wahl kümmerte er sich um die Geräte. Er wußte genau, was für eine "schlagkräftige" Wehr nötig ist, aber der Gemeinde fehlte das Geld. Da der frühere militärische Drill verboten war, mußte ein demokratischer Führungsstil gefunden werden, der trotzdem die nötige Ordnung und Disziplin erzielte. Mit der Einführung der Leistungsprüfungen in den 60er Jahren wurde aus dem militärischen Drill ein technisches Muß! In Au legte 1964 die erste Gruppe ein Leistungsabzeichen der Stufe I (Bronze), 1967 der Stufe II (Silber) ab.
Mit dem Kauf eines gebrauchten VW-Busses (TSF) im August 1956 zum Preis von 1 750.- DM begann die Motorisierung. In dieses Fahrzeug kam eine neue Ziegler TS 8 zum Preis von 4 020.- DM. Die alte Tragkraftspritze mußte mit einem Traktor gefahren werden. Das Beladen eines Anhängers war aber zeitraubend. So wurde von der Kolbermoorer Wehr 1964 ein Anhänger gekauft, der die zweite TS 8 aufnahm. Das kleine Feuerwehrhaus an der Aubachstraße, mittlerweile 100 Jahre alt, konnte aber die Gerätschaften nicht mehr aufnehmen.
Eine Begebenheit beim Brand der Scheune von Sebastian Beckenlehner am Dorfplatz im Herbst 1959 zeigt, daß die neue Technik den Wehrmännern auch Probleme bereiten kann und deshalb ständiges Üben nötig ist. Vor Aufregung fand man den Zündschlüssel zum VW-Bus nicht. So schob man das Fahrzeug kurzerhand die wenigen Meter zur Wasserentnahmestelle am Aubach. Man hätte aber nur den Schlüssel zum Starten umdrehen müssen, denn er steckte im Zündschloß. In der Herbstkommandanten-Versammlung wurde deshalb der Auer Kommandant gerügt.

Bau eines neuen Feuerwehrhauses:

Schon beim Kauf des VW-Busses mußte das Tor des Spritzenhauses erweitert werden. Das Aus- und Einfahren war trotzdem ein Kunststück, denn gegenüber befand sich das Geländer des Aubaches. Die Schläuche konnten nur notdürftig unter einem Scheunendach von Josef Gasteiger getrocknet werden. Für Leitern und Feuerhaken gab es keinen geeigneten Platz. So reiften Pläne für ein neues Feuerwehrhaus. An der Hauptstraße neben dem Gemeindeamt fand sich der geeignete Platz.
Am 6. August 1965 beschloß der Gemeinderat, sofort mit dem Bau zu beginnen. Herr Architekt Fischer von der Kohlbachstraße fertigte die Pläne und führte die Bauaufsicht. Noch im Herbst wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Viele ortsansässige Firmen erhielten Bauaufträge. Am 27. November 1966 war dann ein großer Tag für die Auer Feuerwehr. Das neue Gerätehaus mit Schlauchturm wurde eingeweiht. Es war kein nüchterner Zweckbau. Über den beiden Fahrzeugstellplätzen war auch noch ein Dachgeschoß, in dem ursprünglich ein Schulungsraum untergebracht werden sollte. Aus Geldmangel wurde dann mit Staatszuschuß eine Staatsbedienstetenwohnung eingebaut, in die ein Jahr später der junge Lehrer Konrad Baumann einzog, der seither auch der Schriftführer der Feuerwehr ist. Die Giebelmauer ziert ein Bild des heiligen Florian und ein Fries mit markanten Auer Gebäuden.

In das neue Feuerwehrhaus kam auch ein neues Fahrzeug, ein gebrauchtes TLF 16. So konnte Kommandant Kaffl mit Stolz sagen: "Nun hat man im schönen Stall auch ein gutes Pferd." Die Neubeschaffung eines Fahrzeuges war nötig geworden, weil der Bus im Frühjahr bei einer TÜV-Überprüfung aus dem Verkehr gezogen worden war. Da man mit dem gebrauchten Fahrzeug aber nicht zufrieden war, konnte Kaffl die Gemeinde zum Ankauf eines neuen Tanklöschfahrzeuges bewegen. Im Frühjahr 1967 kam das neue TLF 16.
Am 23. April 68 rückte die Wehr zu einem großen Filzenbrand östlich von Kreuzstraße aus. Dabei zog sich Kommandant Kaffl, der seit einigen Jahren auch stellvertretender Kreisbrandinspektor des Landkreises Bad Aibling war, eine schwere Rauchvergiftung zu. Sie zwang ihn zur Aufgabe seines Amtes.

Die Aera Karl Bauer:

Am 15. November 1968 fand im Gasthaus Beckenlehner eine Mitgliederversammlung statt, zu der Bürgermeister Ries und Kommandantenstellvertreter Martin Märkl geladen hatten. Kaspar Kaffl wurde verabschiedet. Er regte sich dabei so auf, daß er wegen eines Schwächeanfalles den Raum verlassen mußte. Karl Bauer wurde mit überzeugender Mehrheit zu seinem Nachfolger gewählt. Sein Stellvertreter wurde Georg Antretter. Als Vorstand wurde Kaspar Kaffl gewählt. Am 23.11.1973 übernahm dieses Amt Martin Märkl. KBI Max Boxhammer beglückwünschte die Wehr zur Wahl von Karl Bauer. Er bezeichnete ihn als zielstrebigen Mann, der sich durchsetzen kann. Boxhammer kannte den 30jährigen gut von Bauers Tätigkeit als Ausbilder und Prüfer von Leistungsprüfungen.

Schon ein Monat später mußte sich der neue Kommandant beim Brand des alten Schulhauses am zweiten Weihnachtsfeiertag bewähren. Der schlimmste Brand aber war am 7. November 1970, als die Familie Mayr (Waldl) in Brettschleipfen Haus und Hof verlor. Karl Bauer setzte wie Kaspar Kaffl auf eine moderne Ausrüstung der Feuerwehr, die nur so den neuen Anforderungen gewachsen sein konnte. Denn längst war die Feuerwehr zum "Mädchen für alles" geworden. Mit zunehmendem Verkehr waren immer mehr Einsätze auf der Straße zu tätigen, und Ölschäden waren zu bekämpfen. So mußten immer neue Geräte wie zum Beispiel Rettungsschere und -spreizer gekauft werden. Hierzu war immer auch die Überzeugungskraft des Kommandanten bei der Gemeinde nötig. 1969 wurden die ersten Sprechfunkgeräte angeschafft, nachdem zwei ausgeliehene Geräte vom Ski-Club bei einem Filzenbrand 1968 so gute Dienste geleistet hatten. Seit Oktober 1971 stand mit einem neuen Ford Transit (TSF) ein zweites Einsatzfahrzeug zur Verfügung.
Bei Karl Bauer kam noch eine Fähigkeit hinzu, die zum Aufschwung in der Mannschaft beitrug. Als guter Organisator setzte er auch auf Veranstaltungen, die die Kameradschaft förderten. So ist es nicht verwunderlich, daß unter seiner Federführung die Mitgliederzahlen beständig anstiegen. Nach der Gebietsreform, die Gemeinde Au schloß sich am 1. Januar 1972 an die Gemeinde Feilnbach an, übernahmen vielerorts die Feuerwehren die gemeinschaftsfördernde Aufgabe. In Au wurde das 100jährige Gründungsfest vom 28. bis 30. Juni 1974 festlich begangen. Der jährliche Feuerwehrball, um die Jahrhundertwende und zwischen den Weltkriegen ein fester Bestandteil des Gesellschaftslebens in Au, wurde wieder eingeführt. Seit 1978 findet ein Vereinsausflug statt. Auch Fußballspiele mit mehreren Wehren werden jährlich ausgetragen.

Eine Vereinsfahne:

1979 erhielt die Feuerwehr eine Fahne. Sie sollte zum Symbol der Einigkeit im Verein werden. Bauer hatte auch gleich eine Finanzierungsidee. In einem Vertrag mit der Firma 3 F am 22.11.1978 sagten die 3 F-Vertreter Pevestorf und Beichl die Übernahme der Kosten für die Fahne zu. Dabei ging es aber bei diesen Verhandlungen vordergründig um die Eingliederung der Werksfeuerwehr in die Auer Feuerwehr. Die Firma Flitsch, dann 3 F, hatte von 1950 an eine Betriebsfeuerwehr, dessen Kommandant Karl Lus war.

Die Freiwillige Feuerwehr Feldolling übernahm das Patenamt, denn eine Freundschaft verband deren Kommandant Anton Mehringer und Karl Bauer. Das Patenbitten im Westerhamer Hof im April 1979 ist allen Beteiligten auch nach so vielen Jahren noch in bester Erinnerung. Da auch der Schützenverein eine Fahne erhielt, wurde am 1. Juli eine Doppelfahnenweihe durchgeführt. Die Segnung der Fahnen nahm Geistlicher Rat Andreas Hofer vor, gebürtig von Lengfeld bei Au. Am Samstag zuvor war nach einer Totenehrung ein Festabend, durch dessen Programm Sepp Landmann führte, und an dem neben den örtlichen Musik- und Gesangsgruppen auch die Wetterstoa-Musi und die Pinzenauer Sänger mitwirkten. Schirmherr des Festes war zweiter Bürgermeister Sepp Riedl. Es folgten noch Veranstaltungen am Dienstag mit den Hinterbergler Buam, am Mittwoch ein Volkstanz mit der Teisendorfer Tanzlmusi, am Freitag ein Weinfest mit der Auer Musi. Das Berglandecho, eine Stimmungskapelle aus Österreich, spielte am Samstag auf, und am Sonntag, dem 8. Juli klang das Fest mit einem Frühschoppen und einer Geräteschau von Hilfsorganisationen aus. Begonnen hatte es mit einer Bierprobe am Freitag, 29. Juni.
Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf die Auer Feuerwehrmänner der plötzliche Tod von Karl Bauer am 20. Juli 1986. Viele Feuerwehrkameraden aus dem Altlandkreis Aibling erwiesen ihm die letzte Ehre. Zu seinem Gedenken veranstalten die Feuerwehren des Altlandkreises Bad Aibling seit 1987 ein Karl-Bauer-Gedächtnis-Skirennen auf dem Sudelfeld. Es wird vom Skiclub Au ausgerichtet, bei dem Bauer Rennleiter war. Sein Vorgänger Kaspar Kaffl verstarb am 24.03.1988. Auch ihm gaben viele Feuerwehrmänner das letzte Geleit.

Die Aera Franz Rieder:

Am 11. September 1986 wurde dann zum Nachfolger Franz Rieder gewählt, seit seinem Beitritt im Jahre 1971 ein sehr eifriger Feuerwehrmann. Von 1975 bis 80 führte er die Kasse. Am 04.12.80 wurde er Stellvertreter des Kommandanten. Wie Kaffl und Bauer ist auch er bemüht, die Feuerwehrkameraden gut auszubilden. Auch er ist wie Bauer ein Prüfer bei der Abnahme von Leistungsprüfungen. Inzwischen kamen Prüfungen über technische Hilfeleistungen dazu. Seit mehreren Jahren bekleidet Rieder auch das Amt eines Kreisbrandmeisters (seit 1991).

Am 15. Juli 1991 wird der Verein ins Vereinsregister eingetragen (e. V.). Zur Nachwuchsförderung werden seit 1994 Jugendliche ab 14 Jahren in die Jugendfeuerwehr aufgenommen.

Stellvertreter von Rieder ist bis 1992 Hans Schlemer, der dann von Martin Märkl das Amt des 1. Vorstandes übernimmt. Seit 27.10.1992 ist Josef Rauscher der "Adjutant", wie früher der Kommandanten-Stellvertreter hieß. Die Aufgabe des zweiten Vorstandes erfüllt seit 20.04.1989 Walter Singer, der seine Aufgabe als Küchenmeister und Kleiderwart sehr genau nimmt. Die Kasse führten in den letzten Jahrzehnten:
Günter Seifert ab 1968 bis 75, Franz Rieder 1975 bis 80, Alfons Schlemer von 1980 bis 1989, Robert Antretter von 1989 bis 92. Seither ist Robert Huber für die Finanzen verantwortlich. Von 1980 - 1996 besserte ein Weinfest am Feuerwehrhaus, das im August stattfand, die Finanzen auf. Versuchsweise wurde im letzten Jahr ein Gartenfest zwischen Gemeindeamt und Feuerwehrhaus durchgeführt. Es fand guten Anklang. Zu erwähnen ist auch, daß die Feuerwehr dem renovierten Florian am Auerberg unterhalb der Rastkapelle 1994 ein neues Haus hinstellte.
Um für die jährlich etwa 55 - 60 Einsätze gut gerüstet zu sein, wird auch weiterhin großer Wert auf die Ausbildung und eine gute Ausrüstung gelegt. Im Feuerwehrhaus stehen drei moderne Fahrzeuge, ein LF 8 (1981) und ein LF 16 (1995), das nach 28 Jahren das TLF 16 ablöste. Ein VW-Pritschenwagen (MZW) erfüllt seit 1993 wertvolle Dienste. Für einige Jahre war vorher ein gebrauchter VW-Transporter im Einsatz. Er wurde von Wehrmännern selbst feuerwehrtauglich hergerichtet. Hinzu kommt ein von Martin Märkl konstruierter Schlauchanhänger (1987), der 1200m B-Schläuche für weite Strecken in kürzester Zeit auslegt. Ein Ölschadensanhänger steht auch zur Verfügung; denn die technische Hilfeleistung nimmt immer breiteren Raum ein.

Damit blieb es nicht aus, daß das für zwei Fahrzeuge 1966 erbaute Feuerwehrhaus seit längerer Zeit zu klein ist. So bemühten sich die beiden Kommandanten mehrere Jahre um Abhilfe. Nachdem 1998 durch das Entgegenkommen von Sebastian Embacher ein geeignetes Grundstück für einen Neubau mit vier Hallen an der Dettendorfer Straße zur Verfügung stand, der Staatszuschuß bewilligt war, sah die Lage wieder recht trostlos aus. Die Feuerwehrmänner fragten sich, ob den Bürgern, die hier Probleme bereiteten, eigentlich klar ist, daß die Feuerwehrmänner die Ausrüstung nicht als Spielzeug für ihre Freizeit benötigen, sondern daß mit den modernen Geräten Leib und Leben sowie Hab und Gut der Mitmenschen geschützt oder gerettet werden. Nach längeren Diskussionen über einen geeigneten Standort wurde entschieden, das alte Gerätehaus und das Gemeindeamt abzureißen und auf dem entstandenen Platz ein neues Gerätehaus zu errichten.

Nachwuchsarbeit wird großbeschrieben:

Die Auer Wehr hat seit 1994 auch eine Jugendfeuerwehr. Das bedeutet, daß Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr für den Dienst in der Feuerwehr ausgebildet werden. Die Mädchen und Burschen erhalten eine besondere Arbeitskleidung und dürfen erst ab dem 16. Lebensjahr bei Einsätzen teilnehmen. Mit 18 Jahren werden sie zu Feuerwehrmännern ernannt und in die Gruppe der Aktiven aufgenommen. Dank der guten Arbeit von Jugendwart Alex Bauer konnten schon mehrere Prüfungen mit Erfolg abgelegt werden.

Martin Märkl - Ehrenvorstand:

Schon in jungen Jahren leistete Martin Märkl viel für die Feuerwehr. Nach dem Krieg war er maßgeblich an der Seite von Kaspar Kaffl bemüht, wieder eine gute Feuerwehr für den Ort aufzubauen. Mehrere Jahre war er 2. Kommandant. 20 Jahre stand er als Vorsitzender an der Spitze des Vereins. Als er 1992 zurücktrat, war es für den neuen Vorstand Hans Schlemer und für Kommandant Franz Rieder eine Selbstverständlichkeit, diesen verdienten Feuerwehrmann zum Ehrenvorstand vorzuschlagen. Die Vorstandschaft faßte einen einstimmigen Beschluß, und bei der Nikolausfeier 1992 wurde Martin Märkl zum Dank für seinen unermüdlichen Einsatz zum Ehrenvorstand ernannt. Neben der Urkunde wurde ihm eine Floriansfigur überreicht.

Karl-Bauer-Gedächtnisrennen:

Als am 20. Juli 1986 die traurige Nachricht vom Tode Karl Bauers durch den Altlandkreis Bad Aibling ging, herrschte überall große Betroffenheit. Karl Bauer war seit 1968 Kommandant der Auer Wehr. Schon vorher war er Ausbilder für Leistungsprüfungen im Altlandkreis, und er nahm als Schiedsrichter an vielen Orten auch die Prüfungen ab. Da Karl Bauer beim Auer Skiclub auch Rennleiter war, faßten beide Vereine den Entschluß, zu seinem Gedächtnis jedes Jahr ein Skirennen für die Feuerwehren des Altlandkreises durchzuführen. 1987 wurde auf der Herrenabfahrt am Sudelfeld der Wettbewerb als Riesenslalom zum erstenmal ausgetragen. Nur einmal entfiel bisher der Wettstreit der Wehrmänner wegen Schneemangel. 1998 beteiligten sich auch Mädchen, und 1999 startete neben den Aktiven und der AH die Jugendfeuerwehr in einer eigenen Gruppe.

Kinder bei der Feuerwehr:

Schon sehr früh werden auch die Kinder mit der Feuerwehr vertraut gemacht. Kindergartenkinder und Schulkinder besuchen die Feuerwehr, und bei Kinderfesten ist es für sie ein großer Spaß, mit einem Feuerwehrauto durch die Umgebung gefahren zu werden. Die Feuerwehr beteiligt sich von Anfang an am Ferienprogramm der Gemeinde. Es wird die nähere Gegend erkundet. Bisher fand Konrad Baumann jedes Jahr eine andere Route. Von Jahr zu Jahr nehmen mehr Kinder an dieser Veranstaltung teil. Im vergangenen Jahr waren es nahezu 100. "Küchenchef" Walter Singer richtet neben einer Brotzeit immer ein gutes Abendessen am Grill her. Den Abschluß bildet jedesmal bei Einbruch der Dunkelheit eine Fackelwanderung.

Vorstände der Feuerwehr Au:

1874 - 1886 Josef Schlemer Bürgermeister
1887 - 1902 Andreas Oppenrieder Bürgermeister
1903 - 1913 Georg Bauer (Kogl) Bürgermeister
1913 - 1927 Balthasar Schlemer Bürgermeister
1927 - 1936 Andreas Oppenrieder Bürgermeister
1936 - 1945 keine Führung
1945 - 1950 Michael Embacher Bürgermeister
1951 - 1966 Kastulus Bergmaier Bürgermeister
1966 - 1968 Hans Ries Bürgermeister
1968 - 1972 Kaspar Kaffl
1973 - 1992 Martin Märkl
1992 - 2004 Hans Schlemer

2004 - 2007 Alexander Bauer

2007 -         Botz Christian     

 

Kommandanten der Wehr:

Josef Gasteiger *1834 +1922, Kdt. 1874 - 1889
Josef Schlemer *1862 +1946, Kdt. 1890 - 1893
Josef Stuffer *1847 +1925, Kdt. 1893 - 1893
Michael Embacher *1861 +1929, Kdt. 1893 - 1907
Josef Kolmberger *1876 +1953, Kdt. 1907 - 1910
Ludwig Schnitzenbaumer *1869 +1916, Kdt. 1910 - 1916
keine Führung 1916 - 1919
Martin Schweiger, *1875 +1958, Kdt. 1919 - 1936
Jakob Palmberger *1897 +1952, Kdt. 1936 - 1945
keine Führung 1945 - 1950
Kaspar Kaffl *1922 +1988, Kdt. 1950 - 1968
Karl Bauer *1938 +1986, Kdt. 1968 - 1986
Franz Rieder *1950 -, Kdt. 1986 - 2005
Josef Rauscher *1964 -, Kdt. 2005

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